Aufruf des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates, November 1918

  

Arbeiter- und Soldatenräte

Nachdem die Novemberrevolution 1918 auch Köln erfasste, gründete sich am 8. November im Rathaus der Stadt der Kölner Arbeiter- und Soldatenrat und bestimmte in der folgenden Woche das revolutionäre Geschehen mit.

Der Arbeiter- und Soldatenrat, aus je sechs Räten der SPD und der USPD bestehend, forderte am 8. November 1918 vor einer großen Menschenmenge auf dem Kölner Neumarkt sofortigen Frieden, die Freilassung der politischen Gefangenen und die Abschaffung aller Dynastien im Reich. Die Forderungen, die nichts von sozialistischer Politik enthielten, waren noch recht gemäßigt. Nachdem der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer noch einen Tag zuvor versucht hatte, diesem Umsturz militärisch zu begegnen, suchte er nun so bald wie möglich die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen und gab dem Arbeiter- und Soldatenrat einige Räume im Rathaus. Hier kam tags darauf eine große Soldatenversammlung zusammen, die sich mit dem Rat solidarisch erklärte.

Aus Berlin traf die Nachricht von der Abdankung des Kaisers und der Ausrufung der Republik ein. Mit den Worten "von Köln aus könne der Sozialismus nicht verkündet werden", kündigte Wilhelm Sollmann (SPD) deshalb schon einen Tag nach seiner Gründung die baldige Selbstauflösung des Rates an, der nur solange noch bestehen sollte, bis Deutschland eine funktionierende Zentralgewalt hätte. Der Rat gründete daraufhin einen Wohlfahrtsausschuss, dem unter der Führung von Adenauer bald sowohl bürgerliche Parteimitglieder als auch SPD-Mitglieder angehörten. Bereits drei Tage nach seiner Gründung hatte der Arbeiter- und Soldatenrat damit seine Befugnisse freiwillig wieder in die Hände der alten Amtsgewalten von Köln abgegeben. Nachdem er am 14. November 1918 die Einberufung einer Nationalversammlung befürwortet hatte, war für die Mehrheit in der Kölner Sozialdemokraten die Revolution nach dieser einen "Revolutionswoche" beendet. Am 14. Dezember wurde dem Kölner Arbeiter- und Soldatenrat vom Regierungspräsidenten jegliche Einwirkung auf die Regierung untersagt. Ende 1918 organisierte er zwar noch den Durchmarsch der zurückkehrenden Truppen durch Köln, ansonsten war er jedoch längst bedeutungslos geworden. Die letzte Sitzung des Arbeiter- und Soldatenrates fand am 18. Dezember 1918 statt, anschließend wurde er von den britischen Besatzern aufgelöst.

Dietmar, Carl/ Jung, Werner: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln, Köln 2002, S. 210 f.