Bertold Brecht

  

Berthold Brecht

Bertolt Brecht, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller und Regisseure des 20. Jahrhunderts, gründete mit Theaterstücken wie die "Dreigroschenoper" oder Dramen wie "Mutter Courage und ihre Kinder" seinen Weltruhm.

Bertolt Brecht, eigentlich Eugen Berthold Friedrich, geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg, studierte von 1917 bis 1921 in München Philosophie und Medizin (ohne Abschluss). Schon früh geprägt von der Erfahrung des Ersten Weltkrieges, verfasste Brecht erste expressionistisch-anarchistische Dramen wie der "Baal" (1918/19) oder "Trommeln in der Nacht" (1919). Ab 1924 lebte er in Berlin, wo er zunächst bis 1926 unter Max Reinhardt am Deutschen Theater als Dramaturg, anschließend als freier Schriftsteller und Regisseur arbeitete. Seit 1928 mit Helene Weigel verheiratet, unterstützte der Kriegsgegner Brecht die Kommunisten, ohne jedoch in die KPD einzutreten. In diesem Jahr feierte seine desillusionistische, die bürgerlichen Konventionen verspottende "Dreigroschenoper" (Musik Kurt Weill) große Erfolge. Seit 1926 beeindruckt und beeinflusst vom Marxismus, schrieb er in der Folgezeit strenge "Lehrstücke" für das Theater, es entstanden Stücke wie die "Heilige Johanna der Schlachthöfe" (1929-31) oder "Die Mutter" nach Maxim Gorki (1930). Mit der Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (1929) begann Brechts Einfluss auf die moderne Dichtung. Er entwickelte die Theorie des "epischen" später auch "dialektischen" Theaters, das mit seinem "Verfremdungseffekt" kritisches Bewusstsein beim Zuschauer wecken und durch diese Erkenntnis gesellschaftliche "Änderung" motivieren sollte. Brechts Arbeiten zeugten nun, anders als seine von starken Individualismus geprägten Frühwerke, von seinem Glauben an das Kollektiv.

Brechts Hauptwerke entstanden jedoch im Exil. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 emigrierte er nach Dänemark (1933-1939), dann in die Schweiz, nach Schweden und Finnland. 1941 ging der Schriftsteller in die USA. Hier verfasste er seine Meisterdramen wie das "Leben des Galilei" (1938), "Mutter Courage und ihre Kinder" (1939), "Herr Puntila und sein Knecht Matti" (1940) oder "Der kaukasische Kreidekreis" (1944/45). Sie verbanden in dichterischer Vollendung den gegensätzlichen Individualismus seiner Frühwerke mit dem Kollektivgedanken. Brechts Stücke thematisieren den Zwiespalt zwischen sozialer Gerechtigkeit und menschlicher Freiheit auf der einen, und Notwendigkeit des Opfers für die Gemeinschaft auf der anderen Seite.

Erst 1947 kehrte Brecht wieder nach Europa zurück, 1949 zog er nach Berlin (Ost). Hier gründete er zusammen mit seiner Frau das "Berliner Ensemble". Seine Stücke standen immer deutlicher im Dienst der kommunistischen Bewegung und Weltanschauung, ohne dass Brecht jedoch selbst je in die Partei eintrat. Soziale Kritik, Menschlichkeit prägten seine Werke. Ihr Repertoire reicht von böser Satire über derbe Ballade bis zum Kampflied für die proletarische Einheitsfront, von Liebeslyrik bis zum philosophischen Monolog. Neben seinen Dramen schrieb Brecht zahlreiche Essays und Aufsätze wie "Kleines Organon für Theater" (1948), "Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar" (1949) oder "Geschichten vom Herrn Keuner" (1930-1956). In seiner späten Wirkungszeit widmet er sich zusammen mit seiner Frau vor allem der praktischen Theaterarbeit, der Inszenierung von Dramen und ihrer experimentellen Erprobung am "Berliner Ensemble", die Weltruhm erlangten. Nach Brechts Tod am 14. August 1956 in Berlin (Ost), wurden posthum seine Werke "Schriften und Literatur zur Politik und Gesellschaft" (1966) sowie die "Schriften zur Politik und Gesellschaft" (1968) veröffentlicht.

Die Zeit: Das Lexikon, Zeitverlag 2005, Bd. 2, S. 379.
Meyers Grosses Taschenlexikon, Mannheim 1990, Bd. 4, S. 29